Montag, 10. März 2014

Tag 45

Das Schuljahr nimmt sein Ende. Dies kündigt sich in Nepal mit der Examinaphase an, in welcher für 10-20 Tage jeden Tag für 2 Stunden ein Unterrichtsfach schriftlich oder mündlich überprüft wird.
Bei den Vorbereitungen musste ich erschreckend feststellen, dass die Englischkenntnisse meiner 5.Klasse zwar grammatikalisch weitestgehend korrekt, inhaltlich jedoch irritierend waren. So konnte ich auf Äußerungen wie: "My dad is an orange!", "The cow guards the house", "My brother is working as a housewife" nur mit einem recht verzweifelten "I don't think so!" antworten. Aber immerhin: Der gute Wille zum Lernen war da. 


Die Lehrer zogen es hingegen vor, Unterricht ausfallen zu lassen, um mit dem angestellten Bauleiter den Plan fürs neue Eigenheim zu diskutieren oder diverse Hochzeiten zu besuchen.
Natürlich ließen sich für Unterrichtsausfaelle auch wichtige Gründe - wie eine  Fortbildung zum Thema: "Was tun bei Erdbeben?" - finden.Während ich mir große Mühe gab, beim Nepalivortag an den scheinbar wichtigen Stellen zu nicken und an dramatischen besorgt drein zu schauen, beobachtete ich wie mein linker Sitznachbar mit großem Interesse die Tischschublade demolierte, mein rechter Sitznachbar mit Kugelschreiber seine Hände mit Ornamenten verschiedener Art dekorierte und der Schulleiter mit seinem Handy spielte. Dies erklärte sich mir, nachdem mir der zweistündige Vortag mit dem Satz: "Bei Erdbeben auf den Boden legen und Kopf schützen!" zusammengefasst wurde.

Sabrina hatte sich demnach mit der Examinaphase (wenn auch ganz unbewusst) für einen zeitlichen sinnigen Abschluss hier in Nepal entschieden. Mit einer zu traenenrührenden Abschiedszeremonie - inklusive hochlobender Reden, Tikka und eingerahmtem Zertifikat - wurde sie aus ihrem 6-woechigen Schuldienst entlassen.

Die anschließende Verabschiedung in unserer Gastfamilie fiel nicht weniger herzlich aus, sodass sie gesegnet und mit ausreichend Tikkas, Blumenketten, Mandarinen und Geld gut gewappnet nach Thailand aufbrechen konnte.


Auf dem Rückweg vom Flughafen meint Gastvater Raj Kumar dann: "Now Sabrina is gone. Eva is alone in room. Now you can ask rat to be your roommate again!" ...Meine Begeisterung für seinen Vorschlag hielt sich jedoch in Grenzen.

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